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Updated: 18.12.2012 15:51
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Bike Systems: FabrikbesetzerInnen aus Nordhausen bei Lone Star in Frankfurt/Main.

Gestern, am 6.9. fuhren mehr als achtzig KollegInnen der besetzten Fahrradfabrik Bike Systems aus dem thüringischen Nordhausen nach Frankfurt/M. Dort unterhält der Finanzinvestor Lone Star ein Büro. Lone Star hatte die Firma vor anderthalb Jahren aufgekauft und im Juni die Schließung verkündet. Daraufhin haben die 135 FahrradwerkerInnen am 10. Juli ihren Betrieb besetzt.

Da die "Fürsten und Magnaten", wie die KollegInnen die hohen Herren in einem für diesen Tag gedichteten Lied nennen, nicht bereit waren, zu ihnen zu kommen, sind sie eben selbst nach Frankfurt gefahren. Am Bahnhof wurden sie von ein paar Frankfurter IGM-KollegInnen erwartet, die die Demo für sie angemeldet hatten. Nachdem sich alle mit IGM-"Streiktüten" oder Heuschreckenkostümen ausstaffiert hatten, zog eine lautstarke Demo über die Hauptstraßen zur Hamburger Allee 14, dem Sitz von Lone Star. Die Herren scheinen Angst vor der Öffentlichkeit zu haben. Nur ein winziges Papierschildchen am Briefkasten deutet darauf hin, dass in diesem Glaspalast Lone Star sitzt. Die KollegInnen bauten sich zunächst vor dem Gebäude auf und sangen ihr Protestlied, zum Rhythmus der Trommeln, die sie aus Lacktonnen und anderen Materialien aus ihrem Betrieb gebastelt hatten. Die Sprechchöre "Rauskommen!" zeigten keine Wirkung, also versuchten einige KollegInnen, zu Lone Star vorzudringen. Schließlich wurde eine dreiköpfige Verhandlungsdelegation zugelassen.

Die Forderungen der FahrradwerkerInnen an Lone Star sind:

  • Rücknahme des Gesellschafterbeschlusses vom Juni 2007 über die Abwicklung der Fabrik;
  • Weiterführung der Produktion oder Verkauf an einen strategischen Investor;
  • Rücknahme des Insolvenzbeschlusses vom 10.8.2007.

Erwartungsgemäß kam bei dieser Verhandlung nichts raus. Nach mehr als zwei Stunden Belagerung zogen die KollegInnen wieder zu ihren Bussen, um nach Nordhausen zurückzufahren. Nicht ohne vorher noch mal zu bekräftigen, dass der Kampf weiter geht, wie sie es auch in ihrem Flugblatt mit Clara Zetkin gesagt hatten: "Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: Erst recht!"

Die Umstände sind tatsächlich nicht günstig. Durch den Insolvenzantrag stehen die KollegInnen jetzt ohne Einkommen da. Obwohl noch niemand gekündigt wurde und die Arbeitsverhältnisse fortbestehen, zahlt Lone Star keine Löhne mehr und versucht, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Das Insolvenzverfahren wird erst im November eröffnet. Erst dann können die Lohnforderungen aus der Insolvenzmasse erfüllt werden. Um diese Zeit mit Arbeitslosengeld zu überbrücken, mussten die BesetzerInnen zum Arbeitsamt. Viele haben vorsorglich auf den Antrag geschrieben, dass sie nicht bereit sind, bei der MIFA zu arbeiten. Das ist die Fahrradfabrik im 40 km entfernten Sangerhausen, in die sich Lone Star ebenfalls eingekauft hat. Die Arbeitsbedingungen sollen dort wesentlich schlechter sein, und die Belegschaft eingeschüchtert. Eine "Lösung", die Arbeiten für die MIFA unter solchen Bedingungen beinhaltet, ist für die KollegInnen aus Nordhausen nicht akzeptabel.

Genau zwei Monate dauert diese Fabrikbesetzung inzwischen an. Am Anfang hatten die KollegInnen durch viele Aktionen und zahlreiche Präsenz am Werkstor auf sich aufmerksam gemacht. Nach einer Sommerpause, in der die Streikschichten nur notdürftig besetzt waren, planen sie jetzt neue Aktivitäten gegen den "milliardenschweren Gegner".

Bericht und Bilder von alix vom 07.09.2007


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