Home > Diskussion > Aktionen > Agenturschluss > 20.5.05 > FFM
Updated: 18.12.2012 15:51
Aktuelle Meldungen im neuen LabourNet Germany

II. Aktionstag gegen Ein-Euro-Jobs am 20. Mai in Frankfurt

Kurzbericht: Untersuchungsspaziergang im Ein-Euro-Job-Standort Griesheim

Um neun Uhr trafen sich acht AktivistInnen am S-Bahnhof Griesheim. Zwei Streifenwagen der Polizei warteten dort bereits auf die TeilnehmerInnen des Rhein-Main-Bündnisses gegen Sozialabbau und Billiglöhne. Ein Beamter erkundigte sich vergeblich nach der/dem Verantwortlichen für die Aktion. Ungeachtet dessen begann die Gruppe ohne jegliche/n Verantwortliche/n mit ihrem Rundgang im Ein-Euro-Job-Standort Griesheim und startete die "Anonyme Umfrage zum Arbeitsamt und Ein-Euro-Jobs".

Das erste Ziel steuerte das Untersuchungsteam mit Polizeibegleitung an. Es war eine nahegelegene Fahrradwerkstatt mit Laden des Internationalen Bundes in der Autogenstraße. Dort trafen wir einen Ein-Euro-Jobber an - einen Ingenieur, der nun Fahrräder in Stand setzt. Er erzählte uns, er sei über fünfzig, etwas anderes hätte ihm das Arbeitsamt nicht anbieten können. Er nahm die Umfragebogen für sich und seine beiden Kollegen in der Fahrradwerkstatt gerne entgegen und gab an, sie uns ausgefüllt zurückzusenden. Wir erfuhren, dass an diesem Standort auch einige Jugendliche beschäftigt sind, die jedoch nicht anwesend waren. Einige von ihnen sollen ebenfalls Ein-Euro-JobberInnen sein, andere würden eine Trainingsmaßnahme durchführen.

Die Gruppe ging also weiter in Richtung Industriegebiet. Nach dem ersten Besuch verabschiedete sich endlich die Polizeieskorte.

Die nächste Station war die Dienststelle von Cariteam (Caritas) in der Lärchenstraße. Dort gingen wir direkt in das Verwaltungsgebäude, gaben an, eine Umfrage bei Ein-Euro-JobberInnen zu machen und mit Betroffenen reden zu wollen. Der Geschäftsführer der Einrichtung sagte uns, dass von den ca. 300 Ein-Euro-Jobbern von Cariteam freitags nur wenige anwesend seien. Wir könnten mit den Anwesenden aus der Holzwerkstatt und der Computerwerkstatt reden und mit Interessierten eine Betriebsversammlung durchführen. Nachdem wir die Adressaten über unser Vorhaben aufgeklärt hatten, kamen fast alle - ca. 20 Personen - zur Versammlung mit auf den Hof. Die meisten zeigten Interesse für unsere Untersuchung und erklärten sich bereit den Fragebogen auszufüllen. Insgesamt haben wir für die Anwesenden und ihre KollegInnen 40 Fragebögen hinterlassen.

Nach einer kurzen Information über die Hintergründe unserer Untersuchung bildeten sich einige kleine Gesprächsrunden, in denen ein Austausch über die persönlichen Gründe für die Aufnahme der Arbeitsgelegenheit (in Frankfurt sind diese noch mehr oder weniger "freiwillig"), die Tätigkeit und die Perspektiven der Betroffenen auf den Arbeitsmarkt stattfand.

Einige Betroffene gaben an, sie seien mit den Arbeitsbedingungen im Großen und Ganzen zufrieden: Andere äußerten ihren Unmut, sie seien durchaus zur Arbeitsaufnahme gedrängt worden und fühlten sich durch Kontrollen unter Druck gesetzt. Kritisiert wurde, dass bei Krankheit oder Feiertagen die Aufwandsentschädigung nicht weitergezahlt wird.

Insgesamt waren alle Beteiligten mit dem Besuch und der Diskussion zufrieden. Als uns dort die Fragebögen ausgingen erklärte sich die Cariteam Verwaltung sogar bereit, uns weitere Exemplare zu vervielfältigen.

Die nächste Etappe war das Recyclingzentrum der Werkstatt Frankfurt, wo 250 Ein-Euro-JobberInnen beschäftigt sind. Der Abteilungsleiter, den wir auf den Werksgelände aufsuchten, schickte uns zur Betriebsleitung, die unsere Untersuchung genehmigen müsste. Während eine Delegation sich dorthin aufmachte, führten die anderen SpaziergängerInnen Gespräche mit Betroffenen und brachten den Fragebogen schon mal unter die Leute. Auch hier gab es positive Reaktionen bei Ein-Euro-JobberInnen, welche die Fragebogen mit Interesse entgegennahmen.

Bei dem Gespräch mit Betriebsleiter Jung machte dieser deutlich, dass die Verteilung der Fragebogen an Ein-Euro-JobberInnen der Werkstatt Frankfurt der vorherigen Genehmigung der Geschäftsleitung oder sogar des Sozialdezerneten Frey bedürfe. Die Werkstatt sei ein "Politikum", da müsse er sich zuerst absichern. Es könne schließlich sein, dass z.B. die SPD eine solche Untersuchung nicht zulassen würde. Wir stellten klar, dass wir unsere Umfrage in der Werkstatt Frankfurt auch weiterhin verfolgen und im Falle einer Ablehnung durch politisch Verantwortliche die Durchführung der Untersuchung ggf. durch öffentlichen Druck erzwingen würden. Für die offizielle Antwort von Geschäftsführung/Politik wurde ein Ansprechpartner benannt, dann zog sich die Delegation zur Beratung mit der Gruppe zurück.

Die Aktivistinnen besprachen die Lage: Wir einigten uns darauf, den noch geplanten Besuch beim Secondhand-Kaufhaus der Werkstatt Frankfurt zu verschieben und zunächst die offizielle Antwort der Geschäftsführung abzuwarten. Die Beteiligten sahen darin eine Chance, die Auseinandersetzung um die kommunalen Bedingungen von Ein-Euro-Arbeitsgelegenheiten auf die politische Ebene zu heben und eineöffentliche Debatte anzustoßen, ohne das eigentliche Ziel - die anonyme Umfrage - aus den Augen zu verlieren.

Der Untersuchungsspaziergang wurde daraufhin gegen 11.30 Uhr beendet.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof statteten einige TeilnehmerInnen der Dienststelle des Internationalen Bundes noch mal einen Besuch ab, ohne jedoch die Jugendlichen dort anzutreffen. Diese kämen erst nachmittags, "wenn sie bei dem schönen Wetter überhaupt zur Arbeit erscheinen..." Das fanden wir o.k. und beschossen, uns nach der zufriedenstellenden Aktion ebenfalls dem schönen Wetter zuzuwenden.

Ein-Euro-AG des RMB
Agenturschluss in Ffm


Home | Impressum | Über uns | Kontakt | Fördermitgliedschaft | Newsletter | Volltextsuche
Branchennachrichten | Diskussion | Internationales | Solidarität gefragt!
Termine und Veranstaltungen | Kriege | Galerie | Kooperationspartner
AK Internationalismus IG Metall Berlin | express | Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken
zum Seitenanfang