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Updated: 18.12.2012 15:51
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Aktionen beim CNH-Streik in Berlin Spandau! (10.04.2006)

In vielen Bundesländern streiken ja noch immer die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes, es gibt Warnstreiks der IG-Metall und flexible Streiks von Ärzten in diversen Kliniken...

Mittlerweile hat ja der Streik bei dem Düssseldorfer Luftfahrt Caterer "Gate Gourmet" nach genau einem halben Jahr geendet. Ein Resümee war das der Streik isoliert geblieben ist und es an der Solidarität anderer Gate Gourmet Standorte gefehlt hat!

Bei dem Streik bei CNH sieht das alles ein bisschen anders aus. Vor allem weil nächsten Dienstag "erst" der 50. Streiktag ist.

An Solidarität von allen Seiten mangelt es nicht so sehr, vielmehr ist es die Einschätzung vieler "vergessen worden zu sein" und zu glauben das der"Standort" komplett weg kommt. Das Tor ist offen und jede/R der/ die will kann rein gehen und rein fahren, bis auf Bagger und Tieflader. Trotzdem kann ja nicht produziert werden weil der Betrieb und die Maschinen nach dem System der Manufaktur gebaut wurden. Auch der Zaun, der ja die Geräte vor allzu leichtem Abtransport schützt, hat ja die Werksleitung bauen lassen. Da können die Kapitalisten nicht irgendjemanden reinschicken, der die selben Fertigkeiten besitzt wie die Streikenden, weil es da teilweise um jahrelange Erfahrung geht!

Viele Ingenieure bleiben ja in der Firma, haben ihrer "Kaste" den Fortbestand gesichert und wurden so ganz gut gegen die Rest-Belegschaft ausgespielt. Aber so manche Streikbrecher, die geglaubt haben durch ihren Streikbruch ihre Arbeit behalten zu können oder sich beim Chef gut stellen zu können wurden eines besseren gelehrt. Es gibt da Beispiele von "Kollegen" die die Urlaubstage "draussen" blieben und dann aber reingegangen sind und nun die absolute Drecksarbeit machen. Nun gekündigte "Kollegen" die Streikbruch begangen hatten, haben nun die Einschätzung, dass sie auf der FALSCHEN Seite standen.

So waren also die Streikbrecher nur Spielball der "Bosse" gegen die Arbeiter_Innen um diese zu demoralisieren. Natürlich genießen nicht alle Streikbrecher "hohes" Ansehen bei den Kolleg_Innen. Die Meisten von Ihnen sind einfach nur Verräter an ihrer Klasse, bzw. deren Interessen. Eigentlich
verbietet jede Menschlichkeit, jedes Hauch von Würde da rein zu gehen."Bleibt Eine/R draussen bleiben alle draussen" lautet da ein ungeschriebenes Streikgesetz.

Selbst wenn der Vertrauenskörper, der Betriebsrat und der Streikleiter reingehen um mal mit den Bossen zu reden, finden das etliche Kolleg_Innen, ob es notwendig ist oder nicht, nicht gerade toll - Unabhängig ob das nun gut oder schlecht ist für die Streikenden!

Ganz doof dran sind ja die Auszubildenden, bei denen Kollege ja gesagt hat:"Die sollen wenigstens noch auslernen können, damit sie später eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben." Nun stehen sie teilweise zwischen ihrer Arbeits-Schicht am Streikposten und gehen dann arbeiten (Gewerkschaftsbeschluss).

Andere wiederum sind ge-Outsourced und müssen rein, weil sie nicht zur"Firma" gehören. Trotzdem kommt von innen Solidarität nach aussen, wobei ich nicht genau schreiben werde wie und wo das genau geschieht. Auch kann ich aus Gründen zu vieler Mitlesender nicht schreiben wie die Stimmung unter den Arbeiter_Innen ist.

Letzten Mittwoch gab es einen großen Autokorso zu einem FIAT-Vertragshändler in Reinickendorf. Es wurde von rund 120 Kollegen ein Transparent entrollt wo"Jobkiller FIAT" draufsteht und Flugblätter zur laufenden Aktion verteilt. Selbst der Geschäftsführer erzählte das er in den letzten Jahren viele Arbeiter_Innen entlassen musste. Er ging freundlich auf die CNHler ein und fotografierte alles. Die Fotoaufnahmen, die er machte, wurden seinen Aussagen schlußfolgernd nach Italien geschickt, wo zum damaligen Zeitpunkt ein geschäftliches Treffen aller Leiter von FIAT-Niederlassungen statt gefunden hat. In der dazugehörigen Streikzeitung steht natürlich mehr drin.

Aber offenbar sollen nicht alle Informationen, die die Streikenden per"CNH-Streikzeitung" erreichen auch im Internet für die Bosse einfach so runterladbar sein. Und ins Streikzelt wo diese ausliegen, dürfen keine Streikbrecher rein. Wir sind ja allerdings mittlerweile auch bei der Nummer 34 der CNH-Streikzeitung, herausgegeben von der IG-Metall, Verwaltungsstelle Berlin!

Am Donnerstag, dem 45. Streiktag gab es wieder etliche Solidaritätsbesuche aus Thüringen, Sachsen und Niedersachsen. So waren lauter Vertrauenskörper von VW-Braunschweig da um die solidarischen Grüße der Belegschaft zu übermitteln. "Auch wir sind ständig mit dem Thema Personalabbau konfrontiert..." sagte Klaus Samischka, stellvertretender Vertrauenskörperleiter.

"Solidarität ist immernoch die tragende Kraft der Arbeiterbewegung" sagte Kai Heuer, von Bosch Buderus in Neukirchen Sachsen. Ausserdem waren Kollegen von der IG-Metall Verwaltungsstelle Erfurt da. Sie alle wollten zeigen, das der CNH-Streik über die Grenzen von Berlin hinaus bekannt ist.

Am Freitag gab es GLEICHZEITIG DREI AKTIONEN, die von der streikenden CNH-Belegschaft durchgeführt wurden. Tja da gucken die Bosse nicht schlecht wa?

Eine Aktion war auf der AMITEC (AMI - Auto Mobil International [PKW]) einer der grössten Automobilmessen in Mitteleuropa in Leipzig. Eine andere Aktion war im Reichstag und die dritte auf dem Warnstreik.

Ich fand es am für mich sinnvollsten zum Warnstreik zu gehen. Ich stieg am Freitag aus dem U-Bahnhof Rohrdamm Punkt 12 Uhr mittags aus und sah etwas richtig tolles. Von allen Seiten "relativ" grosse Demonstrationen von IG-Metallern die Warnstreiken und aufeinanderzugehen. Klar ist es für einen Radikalen wie mich toller, wenn das alles ArbeiterInnen-Autonome oder Anarcho-Syndikalist_Innen wären, oder gar Genoss_Innen die wild streiken. Aber soetwas zu sehen ist auch nicht allzu schlecht. Es kamen Kolleg_Innen von Bosch und den verschiedenen Werksteilen von Siemens. "Schalttechnik" und andere lustige Werkbereiche konnten auf den Arbeitsklamotten gelesen werden. Von Osram beteiligten sich auch Leute. Vielleicht waren es 500, da sich viele zwischendurch einfach entfernten kann das nicht genau gesagt werden. Ich verteilte Propaganda der CNH-Streikenden. Bei Telefonanrufen an alle Möglichen Linken hätte ich eigentlich gedacht das jemandes aus dieser Linken kommen würde...

Als einzige Linke Gruppe die ich dort ausmachen konnte trat die Gruppe mit einer Zeitung Namens "Gegenwehr!" auf, sie trägt den Beinamen:"Kommunistische Flugschrift für Siemens-KollegInnen" und ist (auch laut Internetsuchmaschinen) der Gruppe Arbeitermacht zuzuordnen.

Aus der hiesigen Szene oder gar Linken war also niemandes weiter da.

Die Kolleg_Innen von CNH standen mit einem „Jobkiller FIAT“ Transparent hinter dem Rednerpult. Sie wurden in fast jeder Rede erwähnt und sind so etwas wie das schon streikende Flagschiff der IG-Metall in Berlin. Neben dem Rednerpult stand die ganze Zeit über ein Kollege der die Fahne schwenkte. Ein Redner war so beschämt über die Bescheidenheit der Forderung nach Fünf Prozent mehr Lohn, das er forderte die Lautsprecher leiser zu stellen... Ein weiterer Kollege der im Betriebsrat arbeitet wurde in den Ruhestand verabschiedet. Ein junger Redner sagt gar dass man die streikenden CNHler am Streikposten solidarisch besuchen solle und sie in ihrem Kampf unterstützen solle, außerdem verwies er auf ein Gesetz in Frankreich, nach dem unter 25 Jährige den Kündigungsschutz verlieren sollen und dass die deutsche Regierung das selbe für alle "Arbeitnehmer" plane... Eine Anke von Verdi erzählte von dem Streik im Öffentlichen Dienst und das der Verhandlungsführer der Länder erst einmal 2 Wochen in den Urlaub fährt und verwies in Unterstützung der IG Metall für den Verdi Streik und umgekehrt, ausserdem machte sie auf die Streiks und Proteste in Frankreich gegen CPE aufmerksam wo alle Gewerkschaften zusammenarbeiten und pries dies als mögliches Modell für hier. Sie kritisierte ausserdem die Zustände imÖffentlichen Dienst von Berlin und den Berliner Senat.

Auf der AMI, der Automobilmesse in Leipzig, waren auch Kolleg_Innen von CNH angereist, die dem Stand von FIAT in der Halle 5 einen Besuch abstatten wollten, dann Flugblätter zur Aktion verteilten und Transparente gegen FIAT hochhielten. Auf 2 Transparenten stand: "IG Metall Leipzig Solidarisch mit CNH Berlin" und "Jobkiller FIAT - Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze bei CNH Baumaschinen" auf der aktuellen IG-Metall-Internetseite kann mensch dazu lesen:"Das tat weh: Auf der Automobilmesse in Leipzig musste sich der FIAT-Konzern auf einem großen Transparent »Jobkiller« nennen lassen – vor dem versammelten Publikum und der Konkurrenz.", laut IG Metall Angaben waren bei der Aktion ca 30 Gewerkschafter_Innen beteiligt.

Die für viele IG Metall Funktionäre, meiner Meinung nach, wohl wichtigste Aktion an diesem Tag war folgende. Um 12:30 Uhr verließen rund 60 Kolleg_Innen in einem Autokorso das ehemalige Orenstein und Koppel Werk, das jetzt wohl Case New Holland gehört, um im Bundestag im alten
Reichstagsgebäude vorbeizuschauen. Die SPD Bundestagsfraktion hatte sie dazu eingeladen. Die "stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD" und selbsternannte "Linke" Andrea Nahles, Niels Annen (der vor Jahren die SPD-Führung noch daran erinnern wollte, wer Karl Marx war) und Sven Schulz (der Bundestagsabgeordnete von Berlin Spandau) empfingen die CNHler im Fraktionssaal der SPD zu "einem Gespräch". Andrea Nahles meinte: "Der Skandal besteht darin, dass in der ganzen Republik zur Zeit tausende von Arbeitsplätzen abgebaut werden sollen. Da sind die 500 Leute bei CNH nur eine Randnotiz" ausserdem wolle die SPD im Bundestag ein Gesetz vorschlagen,
das "keine Steuergeschenke mehr an Arbeitsplatzvernichter" gebe, so Nahles.

Ich fuhr mit einem Kollegen vom Warnstreik bei Bosch-Siemens/ Osram zum richtigen Streik zurück und dort kam gerade ein Tieflader an der Stahlplatten auf das Betriebsgelände von CNH bringen sollte. Aber wenn so ein Tieflader erstmal drauf ist aufm Gelände, wer sagt dann, das er nicht
auch noch Bagger verlädt? Das war so gegen 13:30 Uhr. der Tieflader fuhr in die Wendeschleife, telefonierte wohl, wendete und fuhr wieder davon.

Ausserdem waren bei der Streikversammlung Leute von Weber Hydraulik und Bombardier Bautzen. Bei Weber sollen alle 35 Beschäftigten plus 11 Leiharbeiter auf die Straße gesetzt werden. Sie brachten viel Solidarität mit. Bei Bombardier wurden ja die verschiedenen Werke gegeneinander
ausgespielt. Dessau und Halle-Ammendorf sind wohl dicht. Bautzen, Görlitz und Henningsdorf gibt es noch.

Am nächsten Tag (einen Sonnabend[Samstag]), nämlich Tag 46, sollte laut munkelnden Flüstereien und durch die Winde säuselnden Berichten eine Aktion stattfinden bei der ein FIAT aufm Breidscheidtplatz mit Vorschlaghämmern und so weiter von Arbeitern zertrümmert werden sollte. Aber mensch soll nicht alles glauben was er/sie so hört.

Am Abend, so ab 18:00 Uhr, gab es ein türkisches Fest im Streikzelt, organisiert von den türkischen Kollegen. Es waren wieder ziemlich viele Leute aus anderen Gewerkschaften und Betrieben da und das Zelt platzte wiedereinmal aus allen Nähten. Ganze Familien der Kollegen waren dabei. Es gab auch ein Hüpfeburg für die Kleinen. Die Kolleg_Innen haben sich sehr sehr sehr viel Mühe gegeben. Es gab vieles zu Essen und zu Trinken für umsonst.

Als überzeugter Anti-Sexist muss mensch wohl einiges zumindest erwähnen, so wenn zum Beispiel "Scheine" den Bauchtänzerinnen, die auch mehrer Auftritte hatten in den Rock gesteckt werden, da wurde wohl etwas Verwechselt. Soetwas war nicht die Regel, sollte aber aus Gründen der Vollständigkeit halber, berichtet werden. Klar hingen an diesem Abend auch viele türkische Fahnen
herum (war ja auch der türkische Abend), aber ich habe wohl seid einigen Tagen vergessen zu schreiben, das im Streikzelt seit einiger Zeit auch eine Fahne der Sowjetunion hängt. Ich finde es auch wichtig die "normalen" und feierlichen Seiten des Streiks zu beleuchten. Obwohl ein "türkischer" Kollege zu mir meinte, was es denn zu feiern gäbe, schließlich sei der Streik ja noch nicht gewonnen.

Für alle diese Sachen, wo sie ihren gesellschaftlichen Ursprung haben, kann mensch viel bei aktuellen Rassismustheorien und feministischer Ursachen- und Grundlagenforschungen nachlesen und herausfinden.

So zum Beispiel das eine Gruppe von Rassisten definiert wie eine Stigmatisierte Gruppe aussieht: z.B. die "Türken", die "Chinesen" (obwohl sie aus Vietnam kommen) und die Betroffenen Gruppen diese stigmatisierenden Definitionen übernehmen und für sich positiv umdeuten, wie z.B.: "Wir sind
die Türken".

Sexismus ist wie Rassismus eine Teile und Herrsche Ideologie. Sie ist dazu da um weiter nach unten zu treten und die Unterdrückten, wie z.B. die Arbeiter_Innenklasse zu spalten.

Es ist falsch zu sagen es gäbe ein Haupt- und Nebenwiderspruch, Patriarchat und Kapitalismus ergänzen sich doch schließlich. Es gibt auch matriarchale Inseln auf dieser patriarchalen Welt. Doch Kapitalismus und Patriarchat vereint das Prinzip der Herrschaft und eine klassenlose Gesellschaft kann es nur geben wenn auch die Frauen befreit werden. Aber bei CNH-Berlin sind bestimmt 95% des Betriebes männlich. Die gesellschaftlichen Realitäten sind natürlich auch bei den Streikenden vorhanden. Aber Bewusstsein ist nicht statisch und es ist auch nicht gesagt dass es sich nicht ändert im Verlauf eines Kampfes und niemand sagt das es unter anderen ideologischen Vorzeichen
anders wäre, wie z.B. die Spanische Revolution zeigt.

Bei dem Baustreik der 2002 auch eine Woche lang in Berlin tobte, war einiges los. Es gab Rassismus, Sexismus, Nationalismus. Kollegen anderer Nationalität crossten nie die Picket-Line, es waren ja grösstenteils migrantische Arbeiter_Innen die streikten und die DEUTSCHEN waren auf den Baustellen meist die streikunwilligsten und der Rassismus verflog...

Sexismus war beim Baustreik ein heikles Thema. Feministinnen verteilten Boxhandschuhe und Sexismus war stellenweise nur oberflächlich. Damals waren aber auch öfters Warnstreiks der Kindergärtnerinnen und sie stellten sich zu den Streikenden an den Streikposten. Der Sexismus verflog. Damals war, wie dieses Jahr, Fußball WM.

Alles in allem hat der Streik jedoch noch gute Aussichten.... was so ein Streik natürlich braucht ist viel solidarische Unterstützung. Freundliche Gesichter, nette Leute mit ein bisschen Zeit und so weiter...

Heute am Montag, den 10. April um 13:30 Uhr tritt das Kabarett "Obelisk" aus Potsdam im Streikzelt auf! Ausserdem sind für die nächsten Tage noch viele Aktionen geplant. Also macht mit, bringt euch ein, unterstützt die Kolleg_Innen bei CNH in ihrem schweren Kampf gegen das Kapital.


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