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Updated: 18.12.2012 15:51
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"Wir haben Geschichte geschrieben"

Das war das Statement der Koordination des "1.Mai ohne MigrantInnen" nach den gewaltigen Massendemonstrationen des vergangenen Montags. Erneut reihten sich - neben den Zentren der Migration - eine ganze Reihe von Städten, wie fast schon gewohnt auch solcher, die als ruhig bzw konservativ gelten, in die Reihe jener Orte ein, die jeweils die grösste Demonstration ihrer Geschichte erlebten. Und erneut waren die LateinamerikanerInnen - mit den MigrantInnen aus Mexiko als Kern - die treibende und stärkste Kraft, aber auch von den MigrantInnen etwa von den Philippinen sollen nach ersten Schätzungen vier von fünf an den Aktionen teilgenommen haben. In den Gewerkschaften blieb die Haltung zu dem Aktionstag umstritten und gespalten - einige haben statt Teilnahme am 1. Mai begonnen, Unterschriftenkampagnen für Petitionen an die politischen (wie auch immer) gewählten VertreterInnen zu organisieren...Eine aktuelle Materialsammlung "Mayday 06" vom 3. Mai 2006

Mayday 06

In Los Angeles waren alleine bei der zentralen Demonstration nach Polizeiangaben diesmal 700.000 Menschen - und es gab noch eine ganze Reihe weiterer grosser und kleinerer Demonstrationen in der Stadt, die insgesamt weite Teile von Produktion, Dienstleistung (vor allem) und Handel geschlossen sah. Aber auch New York liess sich diesmal nicht lumpen und trug mit mindestens einer halben Million TeilnehmerInnen dazu bei, dass es insgesamt in 200 Städten der USA nach diversen, eher zurückhaltenden Schätzungen weit über 10 Millionen Menschen waren, die am 1. Mai gegen das neue Einwanderungsgesetz und für die Rechte der "papierlosen" Menschen eintraten.

In dem offenen Brief von Lee Siu Hin, Sprecher des National Immigrant Solidarity Network vom 3. Mai 2006 wird unterstrichen, dass dies endgültig die geburt einer neuen Bewegung für Civil Rights gewesen sei, die ihre Kraft nicht nur durch die teilnehmerInnenzhalen der Demonstrationen gezeigt habe, sondern auch durch die massiven ökonomischen Auswirkungen zahlreicher bis zahlloser streik und Boykottaktionen quer durchs Land.

Jetzt auch Osteuropäer dabei

Insbesondere in Chicago zeigte sich - neben weiterhin allgemein wachsender afroamerikanischer Beteiligung - erstmals auch massiv die osteuropäische Migration: vor allem Menschen aus Kroatien und der Ukraine waren unter der halben Million TeilnehmerInnen des Demonstrationszuges massiv vertreten. Was insofern auch von konkreter Bedeutung ist, weil es rassistischen Argumentationsmustern einigen Wind aus den Segeln nimmt - und die Tradition der europäischen Armutsmigration wiederbelebt.

Streiks - wer macht sie?

Nach offiziellen Regierungsangaben aus den USA streikten im letzten Jahr etwa 150.000 ArbeiterInnen mindestens einen Tag. Dies und keine andere ist die Relation die betrachtet werden muss, wenn die Streikzahlen und Streikauswirkungen dieses 1. Mai politisch beurteilt werden sollen: In bestimmten Regionen und Branchen war es nahezu ein Generalstreik: In Florida und Kalifornien - wo MigrantInnen mit und ohne Papiere etwa 35 Prozent aller Arbeitskräfte darstellen - standen alle landwirtschaftlichen Betriebe still, in Florida darüber hinaus auch restlos alle Baustellen. In den Bundesstaaten des Mittelwestens blieben die drei grössten Fleischverarbeitungsfabriken der USA geschlossen. In Los Angeles stand das riesige textilzentrum völlig still und viele Lebensmittelläden. Die Häfen von Los Angeles und Long Beach wurden von den unabhängigen Truckern geschlossen. Ausser in den Fleischfabriken gibt es nirgendwo in diesen Bereichen Gewerkschaften...

Die Gewerkschaften - immerhin - kamen für einen guten Teil der Kosten der Aktionen auf, in Los Angeles steuerte der AfL-CIO rund 80.000 Dollar bei. Jene Kräfte in den Gewerkschaften, die seit dem Jahr 2000 - als (erstmals!) der AfL-CIO zur Verteidigung der sogenannten Illegalen aufrief - an Boden gewonnen haben, die die traditionelle ständische Politik (Lohndrücker usw) ablehnen, sind durch diese Mobiliserungen in den nach wie vor heftigen Auseinandersetzungen gestärkt worden.

(hrw)


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