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Updated: 18.12.2012 15:51
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Todesopfer bei Polizeieinsatz gegen die Streikenden der Hacienda Lusita

Die heftige Auseinandersetzung um einen neuen Tarifvertrag, die sich seit Anfang November in der zweitgrössten Zuckerrohrplantage der Philippinen entwickelt - der "Hacienda Lusita" in Besitz der Familie der früheren Präsidentin Aquino - hat am 16.November 2004 bis zu acht Todesopfer gefordert.

Garo Mendoza, der Bürgermeister eines naheliegenden Städtchens gab die Zahl der Toten bei dem Polizeieinsatz mit vier Menschen an, die Polizei meldete 17 Verletzte und drei Tote - als Ergebnis einer Massenpanik, das "May First Labor Center" vermeldete 8 Todesopfer - keineswegs einer Panik, sondern aufgrund des des heftigen Polizeieinsatzes am vergangenen Dienstag, inklusive Schusswaffeneinsatz- ein Einsatz, der dazu dienen sollte, mit Zuckerrohr beladenen LKWs den Weg zur Mühle frei zu kämpfen, was am Widerstand hunderter Streikender und weiterer hunderter solidarisch Aktiver aus der Umgebung scheiterte.

Noynoy Aquino, Sohn der früheren Präsidentin Corazon Aquino - und faktischer Betreiber dieses Agrar-Grossbetriebes mit 6.000 Beschäftigten - gab den Ton der intensiven medialen Hetzkampagne vor: "Wir sind nur daran interessiert, Recht und Ordnung zu wahren" - eine Aussage, die von Kritikern, wie etwa der "Alliance of Progressive Labour" mit der Tatsache verglichen wurde, dass auf Lusita niemals auch nur die sehr beschränkten Bestimmungen der Landreform von Frau Aquino von 1988 befolgt wurden. Orchestriert wurden solche Aussagen mit Behauptungen wie, die Streikposten seien gar keine Beschäftigten von Lusita sondern Erwerbslose aus der Region - und das ganze sei sowieso eine parteipolitische Aktion der (immer noch starken) Kommunistischen Partei der Philippinen.

Wobei es alle Berichte selbstverständlich als Tatsache unterstreichen, dass viele Menschen aus der Umgebung - oftmals Verwandte und Freunde der Beschäftigten - solidarisch sind, zumal die Plantage berüchtigt dafür ist, wie sie mit selbst gesetzlichen festgelegten ArbeiterInnenrechten umgeht. Entlassungen von Gewerkschaftern gehören hier zum Alltag.

So ist es auch bei Rene Galang, dem Ende 2003 neugewählten Präsidenten der Betriebsgewerkschaft ULWU (United Luisita Workers Union), der nach 14 Jahren Arbeit auf Lusita im August 2004 - zusammen mit 326 weiteren Gewerkschaftsmitgliedern - zum 1.Oktober gekündigt wurde. Schon im Frühjahr 2004 hatte es Drohgebärden in Richtung Galang gegeben, als Militärs in kleinen Gruppen überall nach ihm fragten. Bei seiner Wahl zum Gewerkschaftsvorsitzenden war gegen ihn Stimmung gemacht worden mit dem Argument, er sei ein Mann der KPP - trotzdem bekam er über 1.700 der 3.500 Stimmen (Urwahl der Organisierten), rund doppelt soviel wie der zweitbeste Kandidat.

Der aktuelle inhaltliche Hintergrund der Kampagne, die inzwischen eine Auseinandersetzung um Gewerkschaftsrechte (und Landreform) geworden ist, sind normale Lohnverhandlungen, die seit Juli stattfinden, eben erstmals mit der neugewählten Gewerkschaftsleitung - nur wollten die Beschäftigten diesmal eine echte Lohnerhöhung.

(Zusammengestellt von hrw aus Meldungen bei "indymedia filipinas", der Nachrichtenagenturen, und Flugblättern des May First Labour Center am 17.November 2004).

 


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