![]() |
|
Home > Internationales > Spanien > Arbeitskämpfe > elprat | |
Updated: 18.12.2012 15:51 |
Iberia-Beschäftigte besetzen Flugbahn in Barcelona: "Wir haben die Kontrolle verloren" Zunächst war es wie so oft: Im Konkurrenzkampf hatte die Unternehmensleitung von Iberia einen jener besonders einfallsreichen Sparpläne entwickelt, der die Denkgrenze kapitalistischer Manager bestimmen muss - Kürzungen, outsourcing und Entlassungen querbeet. Dann war es weiterhin wie so oft: Die Gewerkschaften (in diesem Falle die beiden grossen Verbände CCOO und UGT) machten sich überflüssig, indem sie im Prinzip zustimmten, sozial abgefedert natürlich. Dann aber war es ganz anders: etwa 800 der 2.500 Beschäftigten des Bodenpersonals der Iberia im Flughafen El Prat (Barcelona) besetzten am 28. Juli die Start- und Landebahnen. Und während die Meinungsmaschinen des Bürgertums aufjaulten und Debatten um eine Einschränkung des Streikrechts lostreten wollen, während Verbraucherverbände Klagen gegen Unternehmen und Beschäftigte einreichen, gesteht ein düpierter Gewerkschaftsbürokrat ein, die "Kontrolle" verloren zu haben. Sein Problem, meinen BasisaktivistInnen und Gewerkschaftsoppositionelle. Die aktuelle Materialsammlung "Besetzung in El Prat" vom 22. August 2006. Besetzung in El Prat Liest man quer durch die Internetarchive spanischer Zeitungen und sonstiger Medien von Ende Juli oder Anfang August kommt man leicht ins Zweifeln: kann es sein, dass es in Spanien sozusagen eine Arbeiterdemokratie gibt? Denn nahezu alle Personen, die in diesen Berichten "Volkes Stimme" vertreten, sind ArbeiterInnen. Viele, die noch ausdrücklich betonen, sie seien Gewerkschaftsmitglied. Die Lösung des überraschenden Problems: sie haben noch zwei Dinge mehr gemeinsam. Zum einen wollten sie alle gerade mit ihren Familien in Urlaub fliegen. Und zum zweiten: Alle Interviewausschnitte sind eine einzige Orgie von Haßtiraden gegen die Flugbahnbesetzer von El Prat. Aktion und Ergebnis... Die spanische Flugbehörde AENA hatte Ende Juli zu entscheiden über die künftige Organisierung der "Bodenbewirtschaftung" der Flughäfen - also vor allem die Ladearbeiten. Dabei war Iberia eines der konkurrienden Unternehmen, bekam aber keinen Zuschlag, auch nciht für Spaniens zweitgrössten Flughafen, eben El Prat in Barcelona. Was für rund 4000 Beschäftigte landesweit im besten Falle einen outgesourcten Job bedeutet hätte - das wurde am 27. Juli klar. Am Tag darauf gab es eine Belegschaftsversammlung in El Prat, bei der die Gewerkschaftsmitglieder in offene Revolte gegen ihre "Vertreter" der CCOO und UGT traten, und gegen deren Bekundungen die Flugbahnen besetzten, wobei laut diversen Berichten die CGT und die Coordinadora Independiente del Sector Aéreo (CISA) grösseren Einfluss genommen hätten. Am Folgetag konnte das Betriebskomitee mit Behörde, Ministerium und Unternehmen einen Sondervertrag aushandeln, der die Arbeitsplätze für sieben Jahre sichert. Das ist die sehr kurze Zusammenfassung des (spanischen)
Beitrags "La
huelga de los trabajadores de tierra de IBERIA: el capitalismo salvaje.
Historia de un conflicto" Bei Corriente Roja kommt, am 3. August 2006 das oppositionelle
Mitglied des Betriebskomitees, Marcos Arena (CGT) zu Wort, in dem Interview
von Mariano Pujadas "Los
trabajadores pasaron por encima de los sindicatos oficiales"
Ebenfalls bei Kaosenlared kommt ein langjähriger Beschäftigter
von Iberia zu Wort, der seine Erfahrungen, die Hintergründe und die
Entwicklungen ausführlich beschreibt, in dem Beitrag "Como
trabajador de Iberia sabía que lo sucedido en el Prat iba
a ocurrir. Tarde o temprano las personas terminamos por explotar"
Ein kurzer chronologischer Abriss der Aktion schliesslich
ist von Contrainformation Barcelona bei "Indymedia Estrecho"
nachzulesen: "Huelga
en el Aereopuerto de El Prat.Lucha histórica contra la precariedad"
...und das Echo Auf den Beitrag "El
Prat: Los hechos" Und während die sozialdemokratische Regierung nicht
müde wird, zu betonen, diese Aktionen seien ungesetzlich und die
Verantwortlichen würden (trotz des Abkommens) zur selbigen gezogen,
und zu gleicher Zeit die konservative Opposition versucht, eine Kampagne
zur Einschränkung des Streikrechts zu orchestrieren, organisieren
Verbraucherverbände unter anderem Massenklagenaktionen gegen Iberia
- bisher gibt es rund 1.800 solcher Klagen. Die OCU dokuemtiert diese
Art der Interessensvertretung in ihrem Beitrag "La
OCU se persona en las diligencias abiertas por la "huelga" en
el Prat" Und schliesslich das Echo der Gewerkschaftsbürokratie
- vertreten durch josé Maria Alvarez, den katalanischen Regionalsekretär
des Gewerkschaftsbundes UGT: der sich bei den Kunden entschuldigt und
eingesteht, man habe "die Kontrolle verloren" - in dem Beitrag
"Tengo
que admitir que en El Prat la situación se nos fue de las manos"
(Zusammenstellung hrw) |