Industriegewerkschaft Metall
Vertrauenskörper Firma Semikron
Sigmundstr. 200
90431 Nürnberg 8. 4. 99

 

An den Bundeskanzler
Gerhard Schröder
Adenauer Allee 139 - 141
53113 Bonn
An den Außenminister
Joschka Fischer
Adenauer Allee 139 - 141
53113 Bonn

 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
Sehr geehrter Herr Außenminister,

viele unserer Kollegen haben eine Ihrer Parteien gewählt, unter anderem weil sie eine friedlichere Außenpolitik erwarteten. Sie haben diese Ihre Wähler bitter enttäuscht und Ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Die Bombardierung Jugoslawiens erzeugt böse Erinnerungen an die Geschichte unseres Landes. Ihre Bomben treffen auch zivile Ziele. Die Bomben haben keine Augen und unterscheiden Kinder nicht von militärischen Einrichtungen.

Die Bomben auf die Arbeiterstadt Aleksinac trafen Arbeiter, und wir gehören auch zu denen, die für ihr Geld hart arbeiten müssen. Wir fühlen uns auch getroffen.

Es ist unglaubwürdig, daß Sie diesen Krieg wegen des Leids der Kosovo-Albaner führen. Noch im März 99 wurden Kosovo-Albaner, die Asyl suchten, aus Deutschland zurück in den Kosovo abgeschoben. Ihre Regierung ließ sogar Deserteure aus Milosevicís Armee wieder zurück nach Jugoslawien abschieben.

Wir verurteilen auch, daß Milosevic die albanische Bevölkerung verfolgt. Aber Ihr Angriff hat doch dessen Nationalismus gestärkt anstatt geschwächt. Wir sind gegen den Nationalismus jeder Farbe. In unserem Betrieb arbeiten Kollegen vieler Nationalitäten gut zusammen. Wir fühlen uns als eine Einheit. Wir können auch die Trauer und das Entsetzen unserer jugoslawischen Kollegen, die um ihre Familien zittern, nicht übersehen.

Das Unheil, das Sie mit diesen Bomben anrichten, kostet dazu noch jeden Tag 500 Millionen DM. Wie können Sie sich das angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in unserem Land leisten? Haben Sie etwa vor, das durch Steuern, Streichung von Sozialleistungen von uns einzutreiben?

Wir fordern Sie auf, die Bombardierung Jugoslawiens sofort einzustellen. Der Krieg muß sofort beendet und der Konflikt politisch gelöst werden.

 

Einstimmig beschlossen auf der Sitzung des Vertrauenskörpers am 8.4.99

Vertrauenskörperleitung