letzte Änderung am 04. Juni 2003

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Pressemitteilung der Stipendiaten der Hans-Böckler-Stiftung an der HWP (Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik)

An die Redaktionen der Mitglieder- und Funktionärszeitschriften der Einzelgewerkschaften und des DGB:

Die HWP, 1948 als Akademie für Gemeinwirtschaft vom DGB gegründet und in den 1960er Jahren in den Besitz der Stadt Hamburg übergegangen, ist akut in ihrem Fortbestand gefährdet.

Wer oder was ist die HWP? Als einzige Universität in Deutschland bietet die HWP Menschen ohne Abitur, die aber bereits Berufserfahrung besitzen, eine echte Chance ein wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Studium zu absolvieren. Tausende ehemaliger StudentInnen, die hier in über 50 Jahren ausgebildet wurden, stellen als ExpertInnen in den DGB-Gewerkschaften und nahestehenden Institutionen den KollegInnen ihr an der HWP erworbenes Wissen für ihre betriebliche und überbetriebliche Arbeit zur Verfügung. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, um der herrschenden Lehre, die Sozialabbau und Lohndrückerei propagiert, wirkungsvolle Handlungsalternativen entgegenzustellen.

Wenn es nach dem Willen von Schillpartei und FDP geht, soll damit aber bald Schluss sein: Die HWP soll in der Uni-Hamburg aufgehen und damit ihr sozialökonomisch ausgerichtetes Profil und die Möglichkeit Nicht-Abiturienten aufzunehmen verlieren. Lediglich die CDU zeigt sich derzeit noch wankelmütig, ob sie diesen Plänen zustimmen soll.

Deshalb fordern die Stipendiaten der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung an der HWP alle Ebenen der Einzelgewerkschaften und des DGB auf, gegen diese Pläne zu protestieren und den Studierenden und der Hochschulleitung ihre Solidarität zu bekunden. Insbesondere ergeht unser Appell aber auch an alle christdemokratischen ArbeitnehmerInnen, auf die CDU-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft einzuwirken, damit diese den geplanten Änderungen ihre Zustimmung verweigert.

Adressen:

Präsidentin der HWP:
Dr. Dorothee Bittscheidt
Von-Melle-Park 9
20146 Hamburg
BittscheidtD@hwp-hamburg.de

CDU Bürgerschaftsfraktion Hamburg
Poststraße 11
20354 Hamburg
Herr Beuss, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft: beuss@cduhamburg.de

Auf der Seite des ASTA sind darüber hinaus alles Email Adressen der Hamburger Bürgerschaft aufgelistet. http://www.asta.uni-hamburg.de/modules.php?name=News&file=article&sid=901


An die Vorstände der Einzelgewerkschaften und des DGB

Von der Vollversammlung der Stipendiaten/Innen der Hans Böckler Stiftung an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP).

Für den Erhalt einer gewerkschaftsnahen Hochschule

 

1. Warum wir diesen Brief schreiben.

Wir, die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Hans Böckler Stiftung (HBS) an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) sind besorgt über die momentanen Entwicklungen und Umstrukturierungen der Hamburger Hochschullandschaft. Viele von uns leisten ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit in den Einzelgewerkschaften und dem DGB. Wie rufen alle KollegenInnen der jeweiligen Einzelgewerkschaften und des DGB auf, sich in die Debatte einzumischen und dadurch die Studierenden, insbesondere an der HWP, zu unterstützen.

2. Zur aktuellen Situation in der Hamburger Hochschulen

Es gibt zwei grundlegende "Reformprojekte" an den Hamburger Hochschulen. Zum einen das sogenannte Hochschulmodernisierungsgesetz[1], indem der Versuch unternommen wird demokratische Strukturen der studentischen Selbstverwaltung zu beschneiden und diese durch sogenannten "Experten", als Entscheider, aus der Wirtschaft zu ersetzen. Des weiteren sind Studiengebühren, Verkürzung der Studienzeit und weitere Einschnitte geplant, die ein selbstbestimmtes Studium verhindern.

Der zweite Ansatzpunkt ist das vom Hamburger Senat auf den Weg gebrachte Strukturgutachten[2] zur Umgestaltung der Hamburger Hochschulen. Im Rahmen einer Konzeption "der wachsenden Stadt" und leere Kassen versucht die Kommission die Hochschulen neu zu strukturieren. Synergieeffekte in Manier wirtschaftlicher Fusionen werden gesucht. Qualitätsgesichtpunkte, Umsetzbarkeit spielen keine Rolle, geschweige denn eine Einbindung der Beteiligten/Betroffenen

3. Profil der HWP

"Wir sind eine wirtschafts-, rechts- und sozialwissenschaftliche Universität mit eigenständigem Profil. Wir treten ein für gesellschaftliche Demokratisierung, wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und ökologische Verantwortung. In unserer Arbeit lassen wir uns von folgenden Grundsätzen und Zielen leiten:"

Das komplette Profil und das Leitbild der HWP gibt es auf der Homepage der HWP.[3] Außerdem ist eine Stellungnahme der HWP zum Strukturgutachten verlinkt.[4]

4. Die Position der HBS- Stipendiaten zur HWP

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten der HBS an der HWP erachten die HWP in ihrer momentanen Struktur für sehr wichtig und daher auch für erhaltenswert. Junge und ältere Menschen finden einen Studienort vor, an dem die unterschiedlichsten Biografien der Studierenden im Studium aufeinandertreffen. KommilitonInnen mit kürzlich erworbenem Abitur studieren in einer Vorlesung zusammen mit StudentInnen, die über den zweiten Bildungsweg an die HWP gekommen sind und mit KommilitonInnen, die nach ihrem Erwerbsleben ein Studium angehen. So fließen nicht nur unterschiedliche Interessen und Erwartungen, sondern auch die unterschiedlichsten Erfahrungen in das Studium der Studierenden an der HWP ein. Diese Zusammensetzung ist eine enorme Bereicherung für das wissenschaftliche Arbeiten an einer Hochschule.

Ergänzt durch die Interdisziplinarität ist es möglich, individuelle Lebensplanungen zu konkretisieren und eventuell auch zu korrigieren. Die einzelne wissenschaftliche Disziplin mit anderen Fächern zu ergänzen, beziehungsweise sich einen Blick aus einer anderen Perspektive zu organisieren, wertet das HWP- Studium immens auf. Die vier Schwerpunkte (VWL, BWL, Soziologie und Recht) als Kern eines Sozialökonomischen Studiengangs haben sich bewährt. Sozialökonomie heißt, die Wechselwirkungen von Wirtschaft und Gesellschaft zu analysieren. Die Methode ist, praxisrelevante Fragestellung interdisziplinär zu erforschen.

Auch das an der HWP angebotene Aufbaustudium zum Diplom Sozialökonom in Form einer Projektarbeit und die Masterabschlüsse stehen in dieser Argumentationslinie.

Die HWP stellt ein Netzwerk dar, in dem Politik diskutiert wird. Dies spiegelt sich zu einen im Verhältnis von Studierenden zu Dozenten, als auch in dem Verhältnis der Studierenden untereinander wieder. Es entstehen Bekanntschaften auch für die weitere berufliche und insbesondere für die gewerkschaftliche Arbeit in den verschiedenen Einzelgewerkschaften, Verwaltungsstellen, Bezirken, Bildungsstätten und der ehrenamtlichen Gewerkschaftsarbeit. Ebenso geht von der HWP eine gesellschaftliche Verantwortung aus. Es werden Vortragsreihen zu den unterschiedlichsten Ereignissen angeboten. Dabei spielt die Rolle der Dozenten und Studierenden eine enorm wichtige Rolle. Auch die Forschung an der HWP steht in dieser Linie. Durch die Interdisziplinarität und mit Blick auf die Inhalte der einzelnen Fachbereiche kommt eine umfangreiche und sinnvolle politische Diskussion erst zustande.

Ein weiterer wichtiger Aspekt spielt eine große Rolle an der HWP: Die bestehende Möglichkeit, über eine Aufnahmeprüfung den Zugang zu einem Studium zu bekommen. Wenn die Botschaft der Politik "Das lebenslange Lernen" annähern ernst gemeint ist, dürfen solche Möglichkeiten auf keinen Fall kippen. KommilitonInnen, die über die Aufnahmeprüfung an die HWP kommen, weisen damit ihre "Studierfähigkeit" nach und sind nicht gezwungen die formalen Voraussetzungen für ein Studium anderweitig zu organisieren. Das bedeutet in den meisten Lebensplanungen die Streichung eines universitären Abschlusses, da die Tortur eines Abendgymnasiums keine wirkliche Alternative zu einer solchen Aufnahmeprüfung darstellt. Das heißt individuelle Optionen werden zerstört, lebenslanges Lernen eingeschränkt. Insbesondere die Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben, die ehrenamtliche gewerkschafts- und Interessensvertreterpolitik gemacht haben stützen sich auf die Aufnahmeprüfung. Die HWP wurde durch die Gewerkschaften mit aufgebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Botschaft eindeutig. Wir müssen unseren Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit geben eine universitäre Bildung anzugehen und Entwicklungen wie dem Faschismus frühzeitig Einhalt gebieten. Auch unter dem allgemeinen Aspekt der Weiterentwicklung der gewerkschaftlichen Stärke, ist die Bildung der Funktionäre eine tragende Säule. An der Stelle darf es gewerkschaftlich engagierten Menschen, ob ehren- oder hauptamtlich, nicht egal sein, was mit der HWP passiert.

5. Erwartungen an die Gewerkschaften als Förderer nachhaltiger Bildungspolitik

Auf Grund der geplanten Veränderungen des Senats in der Bildungspolitik und insbesondere der HWP, fordern wir alle Gewerkschafter auf, die HWP im Kampf um ihre Eigenständigkeit zu unterstützen, indem sie deutlich machen, dass das interdisziplinäre Profil der HWP nicht kurzsichtiger Sparpolitik geopfert werden darf. Die bestehenden Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft würden dann in der Wissenschaft genauso totgeschwiegen werden wie in einem grossteil der Medien. Nur durch die Darstellung der Präsenz des Themas und mit eurer Diskussion in der Öffentlichkeit kann die Möglichkeit verschiedenster Lebensläufe der Weiterbildung und Weiterentwicklung an unserer HWP erhalten bleiben. Denn viele unserer politischen SekretärInnen in den Verwaltungsstellen, Bezirksleitungen und beim Vorstand haben an der HWP studiert. Wenn wir weiterhin qualifizierte Nachwuchssekretäre haben wollen, können wir auf eine Universität wie die HWP nicht verzichten. In der Presseerklärung sind die Ansprechpartner mit Adressen genannt.

Hamburg, 18.05.2003
Stipendiatinnen und Stipendiaten der Hans-Böckler-Stiftung,
an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP). Unser EMAIL Adresse ist LK_HBS_HWP@gmx.de

Anmerkungen:

1) http://www.asta.uni-hamburg.de

2) http://www.hwp-hamburg.de/show_mit.php?pas_mess_type_id=3&pas_mess_id=165 klicken auf "Weitere Informationen"

3) http://www.hwp-hamburg.de/1100_diehwp_leitbild.shtml und http://www.hwp-hamburg.de/1200_diehwp_profil.shtml

4) http://www.hwp-hamburg.de/2410_Stellungnahme.shtml

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