letzte Änderung am 3. Juli 2003

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Branchen: Sonstige Industrie

Nachrichten und Belegschaftszeitungen 

Bosch-Siemens-Hausgeräte Werk in Berlin


Die Arbeitsplätze bei BSH verteidigen!

Bei der Geschäftsführung von BSH scheint es zur Gewohnheit zu werden, schlimme Nachrichten kurz vor der Urlaubszeit bekannt zu geben. Dabei war die Entscheidung, die neue Trocknerproduktion ins polnische Lodz zu verlagern, schon seit längerem insgeheim vorbereitet worden. Dort erhalten unsere polnischen KollegInnen nur einen Bruchteil der Gehälter in Berlin und Nauen. Für den Konzern, der mit unserer Arbeit Milliarden verdient hat und nun woanders investiert, ist das eine lohnende Rechnung. Für uns aber bedeutet es weiteren Arbeitsplatzverlust, Lohnsenkung, Erhöhung der Arbeitshetze und Arbeitszeit (unterdessen tw. auf 40-42,5 Std. /Woche). Alleine für Nauen ist mit der Vernichtung von 500 Arbeitsplätzen zu rechnen.

Die jetzige Waschmaschinenstückzahl im Berliner Werk soll von 500000 auf 450000 verringert werden. Der NFR läuft aus. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Die Standorte Berlin-Gartenfeld und Nauen sind gefährdet. Es bestätigt sich nun auch, dass trotz der berühmt-berüchtigten Nauener Verhältnisse mit ihren noch schlechteren Arbeitsbedingungen als in Berlin die Arbeitsplätze keineswegs sicherer sind.

Es bestätigt sich auch, dass die Politik der Zugeständnisse an die Konzernspitze gar nichts bringt. Im Namen der Globalisierung und Konkurrenzfähigkeit versuchen sie uns die Pistole auf die Brust zu setzen und die Abwärtsspirale der Löhne und Arbeitsplätze zu beschleunigen. Im Berliner Werk gab es im letzten halben Jahr über 400 betriebsbedingte Kündigungen. Die GF hat die kompromissbereite Linie des BR in den letzten Monaten schamlos und brutal ausgenutzt, um mit einem verschlechtertem Sozialplan noch größeren Druck auszuüben, nicht nur auf die Schwerbehinderten - entweder um noch mehr zu schuften oder zu gehen. Die Verkleinerung der Stammbelegschaft wird von Überstunden und Einstellung rechtloser Leiharbeiter begleitet. Doch niemand rettet sich alleine!

Denn zuerst mit den Hartz-Plänen, dann der Agenda 2010 und nun weiteren Kürzungsplänen hat die Bundesregierung klar gemacht, dass sie die Krise auf Kosten der ArbeitnehmerInnen und Arbeitslosen, der RentnerInnen und Kranken, der ImmigrantInnen und sozial Schwachen, der Studierenden und Jugend lösen will. Die Konzerne und Banken sollen demgegenüber noch reicher werden. Auch der Berliner Senat streicht alles zusammen und verringert z.B. die Sozialhilfe, in die immer mehr von uns abstürzen werden, wenn der Arbeitsplatz erst mal verloren ist. Dafür werden 20 Milliarden aus dem Haushalt genommen, um sie den Betrügern, die die Berliner Banken ausgeplündert haben, in den Rachen zu werfen.

Dieses System im Dienst der Unternehmer wahrt nicht einmal mehr den Schein sozialer Verantwortung oder Zukunftssicherung. Das Schicksal der Kinder und ganzer Stadtteile wie Siemensstadt ist ihnen egal. Und BSH geht munter voran in dieser Richtung. Solange wir noch einen Arbeitsplatz haben, haben wir die Chance, uns gemeinsam zu wehren. Deshalb muss die Betriebsversammlung zu einem Ausgangspunkt für aktiven Widerstand werden, im Betrieb, im Stadtteil und in ganz Berlin. Wir müssen gemeinsam mit den KollegInnen von Nauen und anderen Standorten dem Vorstand einen Strich durch die Rechnung machen! Wir dürfen uns nicht aufspalten lassen!

Der Streik in Ostdeutschland um die 35-Stunden-Woche hätte mit einer Ausdehnung in den Westen gewonnen werden können. Wenn immer weniger Arbeit zur Verfügung steht ist es sehr wohl vernünftig, die vorhandene Arbeit auf alle zu verteilen und die Arbeitszeit zu verkürzen, statt die einen in die Arbeitslosigkeit zu stürzen und die anderen sich totschuften zu lassen. Doch die wütende Kampagne von Unternehmern, Medien und Regierung zeigt, dass sie Angst vor unserem Widerstand haben. Sie haben Angst davor, dass die KollegInnen in Westdeutschland erkennen, dass eine Niederlage unserer ostdeutschen KollegInnen auch eine Welle neuer und verschärfter Angriffe auf uns alle und die Gewerkschaften nach sich ziehen wird. Sie haben Angst davor, dass die Wut hierüber, über die Agenda 2010 und wachsende Ungerechtigkeit zu massiven Protesten führt. Sie geben sich stark und unbezwingbar, weil sie wissen, wie schwach sie in Wirklichkeit sind, wenn wir unsere Stärke in die Waagschale werfen. Diese Kraft zu organisieren ist die wichtigste Aufgabe in den nächsten Monaten. Keine Zustimmung zu Entlassungen, Überstunden, Wochenendarbeit und weiterer Leiharbeit!

Berlin, 30.6.03
Solidaritätskomitee "BSH muss bleiben!"
E-Mail: wastun@gmx.de

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