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Belegschaftszeitung
GM/Opel Bochum

Nr. 33, Jahrg. 8
Dezember 1998


300 Neueinstellungen ???

Das war die Forderung bei der Aktion der A-Schicht am 7.Oktober.

Was ist daraus geworden?

„50 Neueinstellungen" wurden zugesagt.

Zusätzlich zu den versprochenen Fristverlängerungen hat Opel 38 Studentenverträge bis Weihnachten verlängert und 12 Studenten bis Ende 98 neu eingestellt. Damit haben sich Dr. Wruck und Co. billig aus der Affäre gezogen...

In den Infostunden Mitte November haben Vertrauensleute empört kritisiert, daß der Betriebsrat die Belegschaft über diese Trickserei mit keinem Wort informiert hatte.

Die Bänder wurden aufgrund der Aktion von 78 auf 80 Sekunden pro Auto umgestellt, eine von der großen Mehrheit als Erfolg angesehene Verbesserung. Und jetzt? Nach 5 Wochen ist der Takt wieder auf 78 Sek gestellt worden, entgegen den Argumenten und der Empfehlung der Betriebsräte und ohne daß alle von der Arbeitsgruppe und den Kolleginnen und Kollegen genannten Zusatzbelastungen behoben sind!

Fazit: die Aktion vom 7. Oktober hat die Herren in den oberen Etagen sichtlich geschockt. Die 50 Neueinstellungen waren ein faules EI, das ist ihnen gelungen. Den Takt wieder schneller zu stellen, wird sich rächen - qualitätsmäßig, anwesenheitsmäßig - auf Dauer hält das keine Sau aus!

Die Hauptbelastung für die große Mehrheit der Belegschaft liegt immer noch in der unerträglichen Arbeitshetze, dem körperlich spürbaren Personalmangel in fast allen Abteilungen.

Und dies Problem spitzt sich weiter zu: über 130 Kolleginnen und Kollegen gehen kurzfristig in den Vorruhestand und sollen nicht ersetzt werden. Ende des Jahres und Ende März 99 sind schon wieder die nächsten der noch rund 450 Befristeten mit Rausschmiß bedroht. Und der angekündigte Abbau von Schwerbehinderten-Arbeitsplätzen durch Verlagerung der Kleinteile und SILS-Fremdvergabe führt dazu, immer mehr Kolleginnen und Kollegen mit ärztlichen Einschränkungen in die Produktionsgruppen integrieren zu müssen und damit ebenfalls die Belastung aller zu verschärfen! Was wohl die offiziell 4 Millionen Arbeitslosen darüber denken!?

Es bleibt dabei: gegen die Angriffe auf unsere Gesundheit, gegen den Abbau der Arbeitsplätze, für die notwendigen Entfristungen der befristet eingestellten Kolleginnen und Kollegen, erst recht für die Durchsetzung von Neueinstellungen müssen wir wohl die Herren der Geschäftsleitung ab und zu daran erinnern, daß sie ohne die Belegschaft kein Auto auf den Markt kriegen. Die Aktion vom 7.Oktober wird nicht die letzte gewesen sein.

Tarifrunde:

Nicht Zwickeln und Zwackeln -

das Kapital muss Zappeln!

Mit einer, aus vielen Orten bemängelten 6,5%-Forderung geht es in die Tarifrunde. (nicht vvergessen: bei Opel wird vom Ergebnis noch 1,25% abgezogen)

Kritisiert wurde das eigenmächtige Vorpreschen des Vorstandes bei der Empfehlung für die Prozentforderung.

Die Lohnschere von hohen und niedrigen Lohngruppen geht erneut weiter auseinander. Ein Festgeldbetrag oder zumindest ein Sockelbetrag + Prozente würde dem entgegenwirken. Es sind wohl nur "hohe Lohngrüppler", die die Forderung aufstellen.

Zudem liegt der Nachholbedarf bei mindestens 10%.

Nun denn, am 31. Dez. 98 laufen die Tarifverträge aus.

Vom 1.1.99 bis 29.1.99 ist "Friedenspflicht."

29.1.99 - 0.00 Uhr Ende der Friedenspflicht!

Es kann nur darum gehen die

vollen 6,5% durchzusetzen.

Denn man redet schon von "Spielräumen und Zugeständnissen", Zwickel will im Rahmen der Zusammenarbeit mit Regierung und Kapital Teile der Forderung in Tariffonds einfliessen lassen. Könnte es sein, daß wir beschissen werden sollen?

Keinen Pfennig für das "Bündnis für Arbeit"!

Kein Bündnis für Arbeit!

Am 1. Nov. 19955 verkündete Klaus Zwickel das "Bündnis für Arbeit".

Bereits am 23. Jan. 1996 besiegelten Unternehmerverbände, Bundesregierung und Gewerkschaftsführung das "Bündnis für Arbeit und zur Standortsicherung" und verbreiteten eine gemeinsame Erklärung, die die "Halbierung der Arbeitslosigkeit bis zum Jahr 2000", als gemeinsames Ziel benannte.

Noch vor dem 1. Mai 1996 scheiterte dieses "Bündnis".

Gewerkschaftsmitglieder und Beschäftigte machten die Erfahrung, daß nur ihre Verzichtsbereitschaft weiter gefordert wurde, während 570.000 Arbeitsplätze im Zeitraum November 95 bis Mai 96 vernichtet wurden.

Trotzdem wurde auf betrieblicher Ebene weiter verzichtet:

auf Lohn und Gehalt, auf übertarifliche Leistungen und es wurde weitere Flexibilisierung hingenommen. Oftmals nur für zeitweiliges Nichtaussprechen von Kündigungen mit der Begründung betriebsbedingt.

Mit der SPD am Tisch wird alles anders??

"eine gesetzliche Senkung der Lohnnebenkosten ist ein Eckpfeiler unserer Politik für mehr Arbeitsplätze" (Koalitionsvertrag)

Schon der Begriff "Lohnnebenkosten" führt in die Irre. Als ob der Unternehmer aus seiner Tasche noch irgendwas dabeitun muss. Sowohl den Teil der Beiträge zu Sozialversicherungen, den wir direkt vom Lohn abgezogen bekommen, als auch den Teil, der vom Unternehmer abgeführt wird, haben wir erarbeitet. Es sind Lohnbestandteile, die erforderlich sind um die Arbeitskraft wieder herzustellen. Werden sie gesenkt, ist in den entsprechenden Kassen weniger Knete. Das bedeuted letztlich Einschränkungen für uns alle, die wir vom Nettolohn ausgleichen müssen.

Der Unternehmer aber hat durch die gesetzliche Senkung von Lohnbestandteilen (Sozvers.beiträge) mehr Gewinn.

Die Gewinne der westdeutschen Unternehmen sind offiziell 1997 vor Steuern gegenüber dem Vorjahr um 25 % gestiegen, nach Abzug der Steuern sogar um 28 %. Bei den Industrieunternehmen stiegen die Gewinne bis um 40 % vor Steuern. (Monatsbericht Bundesbank) Dennoch stieg die Massenarbeitslosigkeit 1997 weiter an.

Die Investitionen in der westdeutschen Industrie stiegen von 75,8 Mrd. DM im Jahre 1996 auf 77 Mrd. DM in 1997 an. Rund ein Drittel der Investitionen dienten der Rationalisierung, etwa ein Viertel dem Ersatz alter Anlagen. Beides schließt die Vernichtung von Arbeitsplätzen mit ein.

Also Gewinne machen sie ohne Ende, investieren tun sie auch mehr, wir verzichten immer mehr - trotzdem werden die Arbeitslosen auch immer mehr.

Investiert wird eben nicht um Arbeitsplätze zu schaffen, sondern ob und wieviel investiert wird hängt von den Profiterwartungen ab.

Die Gewinne von heute, sind vielleicht die Investitionen von morgen, aber bestimmt nicht die Arbeitsplätze von übermorgen.

Daran ändert auch die Neuauflage des "Bündnis für Arbeit" nichts.

Im Gegenteil, es führt nur weiter in die Tatenlosigkeit.

(alle Zahlen aus "Woche aktuell" GSA e.V.)

Achtung - nicht ins Band pinkeln!

Du stehst am Band und mußt immer dringender pinkeln. Bis zur nächsten Pause hältst Du das nicht durch. Was machen? Kann mich hier einer kurz ablösen? Zum Meister: ich brauch mal kurz ne Ablösung, muß aufs Klo! Trockene Antwort: hab keinen frei. Werde mal sehen, was sich machen läßt. Du wartest, 10 Minuten. Keiner kommt. So langsam tut das weh. Ins Band pissen? Vielleicht Montag, wenn ich genug im Lotto gewonnen hab. Also ziehst Du die Leine und läufst los. Jetzt wird wohl jemand kommen, Autos einfach durchlaufen lassen darf man ja auch nicht.

Ruckzuck bist Du zurück, erleichtert und immer noch aufgeregt zugleich. Körperliche Nötigung ist das hier! - Dann kommt der Meister: Das gibt eine Meldung an die Personalabteilung wegen unerlaubtem Bandabschalten! Kommt nicht von mir. Kommt von oben, von Fertigungsleiter Dr. Liedtke!

Sowas gibt's doch gar nicht! Doch, mehrere Fälle aus der Fertigmontage wurden in den letzten Wochen bekannt!

Also bei Opel steht der Mensch im Mittelpunkt. Hauptsache er ist gesund und blöd, ängstlich und folgsam, dabei zufrieden und kostenbewußt, und muß nur in der Pause pissen.



Alles schöner unter Schröder ?

Schön wär`s, aber geglaubt hat das eh keiner so richtig. Im Wahlkampf hat er viel versprochen: die Verschlechterungen der Arbeits- und Sozialgesetze, die die Kohl-Regierung uns beschert hat, wollte er rückgängig machen. Und was wird nun aus diesen vollmundigen Versprechungen? Man hätte ja glauben können, der Riester (immerhin war er ja hohes IG-Metall-Tier!) würde es richten. Von wegen: ein paar der schlimmsten Verschlechterungen will er schon rückgängig machen und hat entsprechende Gesetzentwürfe in den Bundestag eingebracht. So soll es demnächst zwar auch gesetzlich wieder 100 % Lohnfortzahlung geben; aber das hatten in den meisten Branchen die Kolleginnen und Kollegen in Tarifverhandlungen eh`bereits durchgesetzt. Das haben wir bei Opel ja noch nicht vergessen. Auch die Heraufsetzung der Grenze, ab der überhaupt das Kündigungsschutzgesetz gilt, auf mindestens 10,25 regelmäßig Beschäftigte, wird wieder rückgängig gemacht: zukünftig müssen wieder nur mindestens 5,25 regelmäßig Beschäftigte vorhanden sein. (von einem gewerkschaftlichen Arbeitsminister hätte man allerdings erwarten können, daß er diese "Kleinbe-triebsklausel" ganz abschafft!)

Aber eine ganz wesentliche Verschlechterung wird beibehalten: Betriebsräte und Arbeitgeber können nämlich in einem Interessenausgleich eine sogenannte "Kegelliste" vereinbaren, auf der alle stehen, die gekündigt werden sollen. Deren Chancen vor dem Arbeitsgericht sind dann gleich Null, auch wenn sie bei einer "normalen" Kündigung eigentlich gute Karten hätten. Die 2 Jahre praktische Erfahrung mit dieser Regelung haben gezeigt, daß damit vor allem ältere und angeschlagene Kolleg-inn-en und auch solche, die sich sonstwie unbeliebt gemacht haben, herausgekegelt werden. Man braucht nur mal die Kollegen vom Bochumer Verein Verkehrstechnik (früher: VSG) oder von Krupp Thyssen Nirosta fragen; die haben damit so ihre Erfahrung gemacht. Eine solche Regelung, die die Erpressbarkeit von Betriebsräten nach dem Motto: "Wenn ihr der "Kegelliste" nicht zustimmt, die ich - Arbeitgeber - haben will, dann gehe ich eben ins Ausland" nur noch weiter verstärkt, gehört vom gewerkschaftlichen Standpunkt auf den Müllhaufen. Nicht dagegen von Riester`s Standpunkt aus: er will diese Regelung ausdrücklich beibehalten, weil sie ja schließlich den Betriebsräten mehr Macht verschafft hätte. Stimmt genau, aber wozu!

Die Kollegen von der "Kegelliste" sind ja weg vom Fenster. Und den anderen kann der Betriebsrat ja dann prima sagen: Euch haben wir "gerettet", jetzt wählt uns aber auch schön wieder beim nächsten Mal. Und bei der nächsten Erpressungsrunde gibt`s dann halt eine neue "Kegelliste"; da haben dann halt wieder einige Kolleg-inn-en Pech gehabt, daß sie einem solchen Betriebsrat geglaubt und vertraut haben.

Fazit:

Da hilft kein Riester oder Schröder,

ohne unseren Kampf wird alles öder!

Über 200 Arbeitsplätze futsch???

-größtenteils Jobs für Leistungseingeschränkte! Ab Januar 99 Verlagerung der Kleinteile-Schweißarbeiten und weitere Fremdvergabe in „SILS" geplant!

Am 16.11. hat Opel dem Betriebsrat die aktuellen Pläne auf den Tisch gelegt:

- Ab Januar soll der erste Teil von 108 Arbeitsplätzen (plus 21 Instandhalter-Jobs, plus ? Fahrer) aus dem Bereich Kleinteile-Unterzusammenbau nach Kaiserslautern verlegt werden (der 2.Teil ab Werks-TU).

- Gleichzeitig soll die 1.Stufe der taktgenauen Anlieferung bestimmter vormontierter Module durch Fremdfirmen (Kühler, Türinnenverkleidung usw) nach dem SILS-Verfahren beginnen. Dadurch würden 8o Jobs von meist behinderten oder leistungsgeminderten Kolleginnen und Kollegen vernichtet.

Opel begründet diese Pläne mit „Platzmangel für die neuen Zafira-Teile".

Wenn das wirklich der entscheidende Grund wäre:

warum baut man dann nicht eine Halle auf, wo sowohl die Kleinteile-Schweißarbeiten als auch die Vormontage- und Sequenzierarbeiten weiterhin von Opel-Kolleginnen und Kollegen ausgeführt werden? Kein Platz?

Das widerlegt die Geschäftsleitung selber mit der Ankündigung, die Leichtbauhallen vorm Preßwerk Nähe Tor 3 abreißen zu wollen, um dort Parkplätze zu bauen!

Denn vor Tor 1 und 2 sollen weitere LKW-Plätze geschaffen werden (was wiederum genau ein Ergebnis der Auslagerungen ist!)

Außerdem hat Dr. Wruck im Falle der Fremdvergabe des Kühlermoduls (25 Arbeitsplätze in D5!) selber die wahre Begründung angedeutet: andere Opel-Werke hätten schon längst keinen Kühlerbau mehr! Auch die Behauptung, die Kleinteile müßten nach Kaiserslautern, weil dort 2000 Arbeitsplätze gefährdet seien, ist lächerlich.

Als ob Opel aus sozialen Gründen solch eine Verlagerung planen würde! Knallharte Kosten- sprich Profitkalkulation steckt dahinter.

Was wirklich mit den neuen Fremdvergabe-Plänen angestrebt wird, kann man in unserem Artikel „Was ist SILS" genauer nachlesen.

Die Belegschaft hatte Ende August eindeutig reagiert, als Opel die Auslagerung der gesamten Werkslogistik mit über 700 Jobs in eine eigene GmbH ankündigte. Klares NEIN der Vertrauensleute und ultimative Aufforderung an das Management, die Pläne vom Tisch zu nehmen. Die Herren der Geschäftsleitung sind zurückgewichen, weil sie genau wußten, daß die Bude gestanden hätte.

Der Betriebsrat hat am 20.8.98 noch geschrieben:

"Die bisherigen Erklärungen der Bochumer Geschäftsleitung, bei Realisierung einer Logistik GmbH den sozialen Besitzstand dieser Mitarbeiter zu sichern, kann uns schon deshalb nicht befriedigen, da neu eingestellte Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Lohn/Gehaltsbedingungen die Arbeit aufnehmen."

Um so mehr hat dann bei einem Teil der Betriebsräte und V-Leute der Brief von P.Jaszczyk an Dr.Wruck vom 17.9.98 zu Protesten geführt, wo im Namen des BR ein SILS-Center extern (für neu Einzustellende) zu Metalltarif-Löhnen und ein Opel-eigenes SILS-Center für bisherige Opel-Beschäftigte vorgeschlagen wird. Öffnet man damit nicht der Firma den Weg zu zweierlei Lohn-Niveaus? Meint jemand im Ernst, der BR könne Opel zwingen, bisher in Fremdfirmen mit Hungerlöhnen bezahlte Leute zumindest mit Tariflöhnen zu bezahlen? Dann müßte man erst Recht mit der Forderung nach Opel-Löhnen beginnen!

Der „Standortsicherungsvertrag II" verlangt außerdem ausdrücklich die Zustimmung zu „Ausgliederungen" zwecks Verhinderung betriebsbedingter Kündigungen mit der Auflage, daß sich Opel-Mitarbeiter bei Betriebsübergang „ohne sachlichen Grund" gar nicht gegen den Zwangswechsel in die neue Firma wehren können, falls sie nicht ganz auf der Straße landen wollen! (kleingedruckt in Anmerkung 19, was viele der JA-Abstimmer wohl nicht gelesen hatten)

- Wir wollen keine Ausgliederung in GmbHs, sagt der BR jetzt, und dann kommt gleich das „ABER wenn wir das nicht verhindern können..."

- Versucht man denn überhaupt, die Pläne der Firma zu verhindern?

„Das läuft doch schon überall!" wird schulterzuckend festgestellt und jede Gegenwehr für illusorisch erklärt. In der Tat wäre die Entwicklung der Fremdvergabe-Strategie besser zu bekämpfen, wenn nicht nur bei Opel-Bochum Widerstand aufkäme. In allen Opel-Werken wie in der gesamten Autoindustrie sind doch die meisten Beschäftigten in der IGM organisiert!

Was sagt die IGM-Führung offiziell zu Ausgliederungen? Zum Thema „Outsourcing" verbreitet der IGM-Vorstand seit 1997 eine „Handlungshilfe für Betriebsräte" (mit dem für Co-Manager bezeichnenden Untertitel „Wirtschaftliche Vor-und Nachteile sorgfältig abwägen!") Hier heißt es am Schluß: „Außerdem müssen die eigenen Potentiale besser genutzt werden: ´Es darf nichts geben, was wir nicht besser als externe Anbieter können. Wo andere unsere Leistung übertreffen, müssen wir selbst noch besser werden` "

Da ruft uns die eigene Organisation auf zum Kostensparen und treibt den Konkurrenzkrieg noch mit an!

Da lacht das Unternehmerherz.

Gewerkschaftlichen Widerstand müssen wir wohl selber diskutieren und organisieren. Da müssen einzelne Belegschaften wie wir eben weitere vorbildliche Aktionen zustande bringen!

Kein Arbeitsplatzabbau unter Opel-Lohn durch weitere Auslagerungen!

Personalersatz im Falle von Vorruhestands-Maßnahmen!

Opel könnte nicht nur Behinderte sondern auch Behinderten-Jobs schaffen durch Zurückholen bestimmter Arbeiten. Z.B. können Waschraumreiniger/innen auch Opel-Beschäftigte sein!

Was bedeutet SILS?

Wörtlich „Supply-in-Line-Sequence", Anlieferung in der Band-Folge, gemäß der gerade aktuellen Anforderung in der Produktion. Irgendeine Firma liefert Teile für die Fertigung vormontiert und vorsortiert alle ein bis 2 Stunden bei Opel an. Kurze Zeit später bringen Fahrer die Teile zur Einbaustelle an die Linie.

Daß Opel jetzt immer mehr SILS-Aufträge an Fremdfirmen vergibt, hat mit einer neuen Strategie der Autokonzerne zu tun:

1. Beispiel: Opel-GM/Vauxhall in Ellesmereport, England. Neben der Autofabrik gibt es seit März 98 die Firma Delphi Chassis-systeme mit einem „SILS-Center" mit 200 Beschäftigten. "Wir liefern GM/Vauxhall den Komplett-Service, liefern Komponenten, Module und übernehmen die Lagerhaltung, 33 verschiedene Produktgruppen mit über 600 Teilenummern. Wir montieren die Module und liefern sie taktgenau an, aufgrund 10 Tage vorher an uns geschickter Information."

(„Delphi-Info" für die europäischen Werke des Delphi-Konzerns. -Nr 5, 98)

2. Beispiel: Opel-Vorstand W.Strinz wirft den Bochumer Betriebsräten Anfang September 98 ein Bild an die Wand: So funktioniert die Mercedes-Produktion des „Smart" im Werk Hambach, Lothringen. Von 2000 Leuten sind noch ein Drittel bei Mercedes beschäftigt. Der Rest gehört zu 6 oder 7 ums Werk herum gebauten Zulieferfirmen. Die liefern ganze Bausätze, Module und Systeme taktgerecht an Mercedes, und bauen sie zum Teil noch selber ein.

Strinz: „Das ist die Zukunft der Autohersteller. Ein kleines Werk mit wenig Leuten, drumherum ein Industriepark oder Business-Park mit den verschiedensten Lieferanten-Firmen."

In der Zeitschrift Focus (Nr 47, 98) wird die eigentliche Zielsetzung kurz angedeutet:

„Je mehr Lieferanten in Fabrikparks ziehen...um so mehr verabschieden sich die Autobauer aus der Produktion. Davon Träumen die Bosse von GM, Ford und Chrysler schon seit einigen Jahren. Sie wollen nur noch entwickeln, vermarkten und finanzieren ... Mit Geldgeschäften erzielen Amerikas PS-Giganten schon jetzt die höchsten Renditen." Die Groß-Aktionäre von Mercedes, GM oder VW wollen eben ihr Kapital nicht mehr in teure Anlagen und Maschinen binden, erst recht nicht in Riesenbelegschaften, mit dazu noch relativ besseren Löhnen. Rund 5 bis 6 Jahre die Profit-Regie durchziehen mit einem bestimmten, für den Weltmarkt entwickelten und gewinnkalkuliertem Fahrzeug, anschließend freie Hand für neue und andere Kapitalanlage.

Was danach mit den Zulieferern und ihren Belegschaften passiert, ist deren Sache. Die größten Aktionäre der Autokonzerne sind Milliardäre und haben andere Sorgen...

Diese Strategie wird die Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut vorantreiben und hat mit Rationalisierung im Sinne von Anwendung arbeitssparender Erfindungen nichts zu tun.

Die traditionelle gewerkschaftliche Antwort „Arbeitszeitverkürzung!" -soweit sie heute von Gewerkschaftern überhaupt noch aufrecht erhalten wird- kommt dieser neuen Art und Weise von Produktionsorganisation nicht bei.

Was diese Kapitalstrategie für die Zersplitterung und Schwächung der Gewerkschaftsbewegung bedeutet, müssen wir erst noch neu diskutieren.

„Einfach nur NEIN sagen, hilft da auch nicht!" hört man jetzt wieder von manchen Betriebsräten oder Gewerkschaftsfunktionären.

übrigens: in Eisenach haben 45 Kollegen aus der Werkslogistik die Auslagerung verhindert, durch zwei Kurze Streiks und zwei Wochen Dienst nach Vorschrift, wodurch 400 Autos weniger produziert wurden.

Richtig.

Außer „NEIN sagen" muß man zur gewerkschaftlichen Gegenwehr mobilisieren! In Wahrheit sagen unsere Kollegen Co-Manager und „Wettbewerbsfähigkeit"-Strategen schon wieder ein halbes JA zu den GmbH -Ausgründungen. „Sozialverträgliche Lösungen" werden da angekündigt, sprich Arbeitsplatzvernichtung durch Vorruhestand und Abfindungen ohne Personalausgleich.

Das mag ja für die ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen im Einzelfall akzeptabel, also individuell verträglich sein, für die gesamte Gesellschaft, also „sozialverträglich" sind solche „Lösungen" nicht, im Gegenteil!

Wahl der Gruppensprecher durch Opel-Vorgesetzte?

In der Betriebsvereinbarung 179 „Gruppenarbeit" (1991) steht: „Der/ Die Gruppensprecher/in (GS) wird in freier geheimer Wahl mit einfacher Mehrheit ...aus der Mitte der Gruppe gewählt.... Eine Abwahl des GS durch die Gruppe ist in geheimer Wahl mit einfacher Mehrheit jederzeit möglich."

In der BV 6/1994 „Einführung der Gruppenarbeit in den Linienbereichen des Werkes I" heißt es: „Der GS wird von den Gruppenmitgliedern gewählt. Zum GS können alle Mitarbeiter gewählt werden, die an einer der Wahl vorgeschalteten Qualifizierungsmaßnahme erfolgreich teilgenommen haben." Hier also eine erste Einschränkung der wirklich freien Wahl.

Seit einem Jahr versucht die Geschäftsleitung trotz der Proteste des Betriebsrats, die Auswahl der GS unter eigene Kontrolle zu bringen: Dr. Wruck fordert am 11.7.97 : „Gruppensprecher werden auf Vorschlag der Gruppe mittels Assessment Center ausgewählt. Sie werden nach Assessment Center für jede Gruppe für T3000 ernannt." Opel begründet diesen Angriff auf die Wahl der GS durch die Kolleginnen und Kollegen folgendermaßen: „GS, die versuchen, die sozialen und betrieblichen Interessen umzusetzen, werden erpreßt und z.T. abgewählt."

Man merkt, woher der Wind weht: Opel paßt das nicht in den Kram, daß die Gruppe mit dem Recht auf Wahl und Abwahl der GS eine Kontrollmöglichkeit hat und sich gegen solche Gruppensprecher wehren kann, die sich zu Antreibern oder Kittelziehern entwickelt haben...

Werksdirektor Hoben hat sein öffentliches Bekenntnis zur Wahl durch die Gruppe wohl vergessen (Vortrag 9.11.95) : „Nachdem der Gruppensprecher seine fachliche Kompetenz nachgewiesen hat, wird er in Bochum von der Gruppe gewählt. Er genießt deshalb das Vertrauen der Gruppe, und er hat damit auch die Legitimation, die Interessen der Gruppe wirkungsvoll zu vertreten." Soweit Hoben noch vor 3 Jahren! Heute suchen die Opel-Bosse nach einem Weg, als „Interessen der Gruppe" noch rigoroser ihre Profitinteressen zu definieren. Dazu brauchen Sie die Macht über die Auswahl der Gruppensprecher.

Die Belegschaft hat die Macht,

das zu verhindern.


IGM-Chef Klaus Zwickel :

Hoffnung

auf SPD-Regierung!

- Gedächtnisschwund?

Klaus Zwickel schreibt (FR 9.11.98): "Die Kürzung der Lohnfortzahlung war ebenfalls ein Angriff auf die Gewerkschaften, denn er zwang uns zu einem Abwehrkampf, der Geld Zeit und Kraft kostete. So etwas passiert bei sozialdemokratischen Regierungen nicht."

Entweder glaubt er selber nicht, was er sagt, oder er leidet an Gedächtnisschwund: In einem Flugblatt mit Aufruf zur Demonstration sagt die IGMetall, Bezirk Baden-Württemberg (wo Zwickel herkommt) am 30.9.1981: „Unter dem Vorwand, Mißbräuche zu beseitigen und sparen zu wollen, fährt (die damals sozialdemokratisch geführte!) Bundesregierung mit einem Mähdrescher über die sozialen Leistungen hinweg!"

Hoffnung auf eine SPD-Regierung?

Streiks bei Porsche in Stuttgart!

Für mehrere Stunden legten am 4.11.98 Kolleginnen und Kollegen der Endfertigung und Lackiererei die Arbeit nieder.

Bekanntgeworden waren Pläne zur weiteren Arbeitsplatzvernichtung, trotz des "Beschäftig-ungssicherungsvertrages 2001".

Sogenannte "unproduktive" Bereiche sollen aufgelöst werden.

Am 6.11. und 10.11. folgten weitere Streiks. Schichtübergreifend versammelten sich ca. 1000 Kolleginnen und Kollegen im Casino.

Die GL will die Zeit als "unentschuldigtes Fehlen" abziehen.

Wir werden weiter berichten


Zum Wohle des Ganzen

Es ist einfach
erforderlich
daß sich die
Beschäftigten
mit ihren
Lohnforderungen
zurückhalten
zum Wohle des
Ganzen
Täten sie`s nicht
hätten am Ende
Henkel
Flick
Siemens
Daimler
und deren Freunde
nicht mehr das
Ganze

Knut Becker