Rover: Wer wußte wann wovon?

Offene Fragen über die Rolle des BMW-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden im Aufsichtsrat

 

Die anstehende Zerstückelung von Rover schlug letzte Woche in Birmingham wie eine Bombe ein, und alle sind wütend. Als während das Spiels Birmingham City gegen Barnsley Town am Sonnabend eine Solidaritärserklärung über den Lautsprecher abgegeben wurde, zeigten die Fans deutlich ihre Unterstützung.

Tony Blair, vor allem aber der Handels- und Industrieminister Stephen Byers, waren schnell zur Sache, als es darum ging, die BMW-Führung dafür zu kritisieren, daß sie ihre Verkaufspläne gegenüber der britischen Regierung verheimlicht hätten. Die deutsche Firma schlug zurück, indem sie die Stärke des Pfundes und die Weigerung Großbritanniens sich dem 'Euro' anzuschließen, für ihre Verluste verantwortlich machte. Einige Kommentatoren machten die Europäische Union verantwortlich, da sie angeblich die Vergabe eines Kredites, der die Krise hätte hinausschieben können, verzögert hätte. Andere hoben hervor, daß Rover ein Vermarktungsproblem hätte, welches nicht von BMW hervorgerufen worden sei. Zur Abwechslung machte einmal niemand die Arbeiter verantwortlich.

Aber hinter diesen öffentlichen Beschimpfungen steckt noch eine andere Frage, die alle Gewerkschafter bei Rover betrifft. Die Firma, die Regierung und die Medien haben sich seit einer Woche öffentlich dargestellt. Erst am Dienstag werden sich Vertrauensleute aller Niederlassungen von Rover - Longbridge, Solihull, Cowley, and Swindon - treffen, um über ihr weiteres Vorgehen zu diskutieren, und am Montag wird eine Gemeinsame nationale Verhandlungskommision zusammentreffen.

Sie werden wahrscheinlich fragen: "Warum wurden wir nicht informiert?". Die offensichtliche Antwort ist, daß auch die T&GWU (Transport and General Workers Union, größte britische Gewerkschaft, die in verschiedensten Bereichen organisiert, Anm.d.Ü.), nicht wußte was los war. Und das mag auch wahr sein. Aber LabourNet (in diesem Fall das britische, Anm.d.Ü.) ist bekannt, daß, als der nationale Verhandlungsleiter der T&G, Tony Woodley, letzte Woche nach Deutschland gereist war, er auch mit den deutschen Gewerkschaften zusammengetroffen ist. Die IG Metall, die mächtige Metallarbeitergewerkschaft, hat ihren Gesamtbetriebsratsvorsitzenden im Aufsichtsrat von BMW. Manfred Schoch ist dadurch in alle Entscheidungen eingeweiht, und half auch der T&G, als BMW die Firma kaufte.

Es scheint nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten zu geben. Entweder wußte Schoch, was demnächst passieren würde, hat es aber der T&G nicht gesagt, obwohl es offensichtlich ist, daß er es als Gewerkschafter hätte tun müssen. Oder Schoch hat es der T&G gesagt, die aus irgendeinem Grunde diese Information nicht weitergegeben hat. Allerdings gibt es dafür keine Anzeichen. Auf jeden Fall hat es keine Möglichkeit gegeben, daß die einfachen Gewerkschaftsmitglieder der IG Metall hätten wissen können, was im Vorstand von BMW vor sich ging. Dann wäre die Geschichte mit Sicherheit auch über den Kanal gelangt. Diese Fragen sind von zentraler Bedeutung, da jegliche Entscheidung der Kollegen bei Rover, den Kampf gegen den Verkauf oder Entlassungen aufzunehmen, nicht nur auf eine Einheit innerhalb aller Werke in Großbritannien, sondern auch innerhalb der Beschäftigten in Deutschland setzen muß.

Es geht nicht um England gegen Deutschland. Es geht um Arbeiter gegen die Konzernführung. Aber wir müssen natürlich wissen, wer in welchem Team spielt.

 

Bericht von Greg Dropkin, LabourNet UK vom 20.3.2000
Übersetzung für LabourNet Germany: Lars Stubbe


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